Das Kernkraftwerk Tschernobyl liegt in der Ukraine nördlich von Kiew, dicht an der Grenze zu Weißrussland (Belarus). In den ersten Nachtstunden des 26. April 1986 explodierte der Kern in einem der Reaktorblöcke, wodurch die Reaktorhalle zerstört wurde und in großem Umfang radioaktive Stoffe in die Umwelt freigesetzt wurden. In der Ukraine, im Südwesten Russlands und in Belarus wurden 145.000 Quadratkilometer Fläche radioaktiv verseucht. Die Einwohner wurden evakuiert. Städte, Dörfer und ganze Landstriche wurden zu „Lost Places“. Es war bis dahin der folgenschwerste Unfall in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Tausende Menschen erlitten unmittelbare Strahlenschäden, und noch heute treten bei jungen Erwachsenen und Kindern Krebs- und Immunschwächeerkrankungen sowie Missbildungen bei Neugeborenen auf.
Auch für Dr. Alexander Jäger-Bloh und seine Frau Gabriele Bloh markierte die Katastrophe von Tschernobyl einen Wendepunkt in ihrem Leben, der letztlich einige Jahre später zur Gründung der deanGruppe führte. Im Jahr 2006, anlässlich des zwanzigsten Jahrestags des Reaktorunglücks, erzählte der Gründer der deanGruppe einem Magazin, wie alles begann:
1986 lebte Alexander Jäger-Bloh mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern und eigenen Schafen auf einem Bauernhof bei Neustadt. Aus der Schafsmilch wurde Käse hergestellt, der an Bioläden und Bäckereien bis nach Hannover verkauft wurde. Zum Zeitpunkt des Reaktorunfalls hatten die Jäger-Blohs großes Glück. „An dem Tag, als uns der fall-out erreichte, waren unsere Schafe im Stall geblieben. Das war purer Zufall.“ In der Scheune lag noch genug Heu, und so konnte weiter produziert werden. Vorsorgliche Untersuchungen ergaben, man war noch einmal davongekommen. Der Käse, den die jungen Bio-Bauern herstellten, war unbelastet. Verkaufen konnten sie ihn jedoch nur noch mit Mühe, denn natürlich waren die Verbraucher jetzt sehr, sehr vorsichtig. „Das war ein einschneidendes Ereignis. Wir haben uns auch gesagt, dass es ja nur eine Frage der Zeit ist, bis das nächste Tschernobyl kommt. Und ob man dann wohl noch einmal so glimpflich davon kommt?“
So wurde die Landwirtschaft aufgegeben, und Alexander Jäger-Bloh baute sich als Tierarzt eine Praxis auf, bis er in den neunziger Jahren mit seinem dritten Beruf ganz starken Aufwind hatte, und zwar sogar im wörtlichen Sinn. Tschernobyl war noch nicht vergessen, und so beobachtete der Naturliebhaber beim Urlaub in Dänemark fasziniert, wie die neuartigen Windenergieanlagen dort emsig Energie aus der Kraft der Natur produzierten. Im Dezember 1991 errichtete Jäger-Bloh gemeinsam mit seiner Frau und einem Geschäftspartner in Sichtweite seines heutigen Firmensitzes die erste Windenergieanlage im Raum Neustadt – und der Rest ist Geschichte. Die Geschichte eines nun bereits in der zweiten Generation geführten erfolgreichen Familienunternehmens und eine Geschichte, in der die Erinnerung an die Katastrophe von Tschernobyl in Erinnerung bleiben muss.
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